Line Dancing ist eine eigenständige Tanzart. Wie der Name es schon sagt, wird in Linien neben- und hintereinander getanzt. Es gibt festgelegte, sich wiederholende Figuren, die synchron von der Gruppe vorgeführt werden – also ähnlich einem Formationstanz. Diese Art zu tanzen erfordert keinen Partner, die Gruppe ist der Partner. Hier gibt es eine eigene Terminologie und spezielle Schrittmuster. Die Schrittfolgen werden zu einer bestimmten Anzahl von Takten getanzt und wiederholen sich regelmäßig, häufig mit einem oder mehreren Richtungsänderungen. Es gibt Tänze, die nur aus wenigen Figuren bestehen, bis hin zu Tänzen, die mehr als 100 Schrittfolgen haben.
Line Dance ist für jede Altersstufe geeignet. Die Hauptsache ist, man hat Freude am Tanzen und hört gerne Country - Musik. Weltweit soll es wohl über 14.000 Tänze geben. Wobei stetig jeden Tag neue dazu kommen.
Getanzt wird auf Country und New Country Music, aber auch vor modernen Liedern macht der Line Dance nicht halt. So findet sich für jeden Musikgeschmack etwas. Das spontane Mittanzen bei Veranstaltungen ist kein Problem, da die meisten Tänze für bestimmte Musikstücke choreografiert wurden. Die Tänze verbreiten sich sehr schnell und werden in vielen Gegenden in so genannten Workshops weitergegeben. Es ist schon ein Erlebnis manchmal bis zu 100 Line Dancern auf der Tanzfläche zu erleben.
Beim Line Dance tanzt jeder solo. Niemand muß hier jemanden führen oder Angst haben dem Partner auf die Füße zu treten. Schrittfehler sind nicht so schlimm, man reiht sich einfach wieder ein und tanzt weiter.
Es gibt verschiedenen Schwierigkeitsgrade beim Erlernen eines Tanzes. Der Grad hängt von der Einschätzung des Choreographen ab. Es gibt fünf Level.
# Beginner - (Anfänger) für Tänzer mit wenig oder gar keiner Erfahrung.
# Beginner/Intermediate - für Tänzer mit wenig Erfahrung aber mit den Grundschritten vertraut.
# Intermediate - Tänzer mit Grundbegriffen & der Fähigkeit auch schwierigere Schrittfolgen zu bewältigen.
# Intermediate/Advanced - Tänzer die d. verschiedensten Schrittfolgen/Rhytmen ohne Mühe folgen können.
# Advanced - Tänzer die mit d. versch.Schrittfolgen/Musikrhytmen vertraut sind und frei improvisieren können.
Aufteilung der Tanzfläche
Die Tanzfläche müssen sich alle Tänzer teilen. Ob Standard-Tänzer, Paartänzer, oder Line Dancers, jeder benötigt ein bisschen Platz zum Tanzen. Um Kollisionen und Revierkämpfe zu vermeiden, sollte man sich an folgende Regeln halten:
Der Ursprung
Es gibt verschiedene Theorien über den Ursprung des Line Dancing. Viele nehmen an, dass es seine Wurzeln im Folkloretanz hat.
Als im 19. Jahrhundert die vielen europäischen Einwanderer nach Nordamerika kamen, brachten sie ihre verschiedenartigsten Volkstänze mit. Auf ihrer erschwerlichen Fahrt durch das unbekannte Land legten sie immer wieder Pausen ein, bei denen sie ihre Musik spielten und ihre Tänze tanzten. Die vielen verschiedenen Völker mit ihren unterschiedlichen Tänzen vermischten sich dann wahrscheinlich und entwickelten sich zum heutigen Round- sowie Square-Dancing.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Zeit der Cowboys. Ihre Arbeiten waren sehr hart, lebensgefährlich und schlecht bezahlt. Sie saßen stundenlang im Sattel um auf ihre Viehherden zu achten, sie zusammen zu halten oder auf Weideflächen zu treiben. Dabei waren sie der Natur schutzlos ausgeliefert. Aber eines wollten alle Cowboys gemeinsam. Sie wollten in ihrer knappen Freizeit Erholung und Gesellschaft. So saßen sie am Lagerfeuer oder in ihren kargen Unterkünften beisammen, wo sie ihre Abende mit musizieren, singen und Geschichten erzählen verbrachten. Da Frauen "Mangelware" waren, tanzten am Anfang nur die Männer. Traditionelle Tänze, welche sie sich immer wieder von den Einwanderern abschauten wurden dann von ihnen übernommen und ihrem Stil angepasst. Diese Tänze kennzeichnen sich durch einfache Schritte und das Country Flair, dass die Kultur jener Zeit widerspiegelt.
Die Cowboys lockerten die Tänze, welche immer eine bestimmte Schrittkombination hatten, durch Showeinlagen, wie z.B. Drehungen auf. Wie viele vermuten, entwickelte sich so der heutige Line Dance. Aber immer mehr sah man auch Cowgirls tanzen. So konnten sich demnach wahrscheinlich auch einige Partnertänze entwickeln, wie der Sweet Texas Shottish, Two Step, der Cowboy Cha Cha oder der Cotton Eyed Joe und viele mehr. Diese Art seine Freizeit zu verbringen, förderte die Gemeinschaft und den Line Dance.
Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde American Folk Dancing in den Schulen in das Fach für Leibeserziehung aufgenommen und gelehrt. Viele Jugendliche erlernten auf diese Art das Country Western Dancing. Die Popularität stieg und Line Dance wurde in vielen Bereichen gepflegt und weitergegeben. Es gibt noch heute in vielen amerikanischen Schulen das Tanzen als Pflichtprogramm im Unterricht.
In den 50er und 60er Jahre ging man wider verstärkt über in Linien und Reihen zu tanzen. Highlight war die Zeit der amerikanischen TV – Sendung „AmericanBandstand“, in der die neuesten Line Dance Tänze wöchentlich gezeigt wurden. Der Film "Saturday Night Fever" löste 1978 eine neue Tanzwelle aus. 1980, als sich die Grenze zwischen Country und Pop zu vermischen begann, kam John Travolta mit dem Film "Urban Cowboy" heraus. Dieser löste neuerlich eine Lawine aus, diesmal mit der Mode, die Musik und die Tänze im Western Stil zu tanzen. Jetzt stiegen die Medien endlich richtig darauf ein und förderten diesen Trend immer weiter.
American Brandstand
Saturday Night Fever
Urban Cowboy
1993 gelang "Line Dancing" der weltweite Durchbruch mit dem Hit "Acky BreakyHeart".
2001 wurde der Country Line Dance endlich als offizielle Sportart anerkannt. Jetzt können Tänzer und Tanzgruppen gefördert werden. Immer mehr Tanzveranstaltungen und Wettbewerbe belegen wie schnell sich der Line Dance auch hier in Deutschland entwickelt.
Vielleicht löst schon bald der Line Dance unseren traditionellen Disko Fox ab. Wir werden sehen..
Tanzen wie ein Cowboy – Aussehen wie ein Cowboy
Auf Veranstaltungen und Festen sind die Line Dancer auf der Tanzfläche schnell erkannt. Es ist umstritten, aber viele meinen doch, dass der Line Dance erst durch das richtige Outfit zur Geltung kommt. Man möchte nicht nur tanzen wie im Wilden Westen, sondern auch so aussehen und den amerikanischen Flair auf der Tanzfläche spüren.
Die Stiefel, eines der wichtigsten und markantesten Merkmale der Cowboys und so auch der Line Dancer. Der typisch „American-Line-Dance“ Tänzer trägt Stiefel. Sie sind bequem, schick und zum Line Dancen perfekt geeignet. Durch die harten Sohlen stompen die Tänzer mit viel Freude und Geräusch über die Tänzfläche. Bei vielen Wettkämpfen und Ausscheiden sind Stiefel übrigens noch Pflicht.
Der Hut, ebenfalls ein wichtiges Assessor gerade für die Männer unserer Gesellschaft. Er wirkt elegant und macht aufmerksam. Aber inzwischen tragen auch schon viele Frauen Hüte. Man möchte eben dem Ideal eines Cowgirls entsprechen. Dennoch ist der Hut kein Pflichtutensil mehr und so sieht man –leider– immer weniger Hüte auf Line Dance Festen.
Es hieß einmal `ein Cowboy verlässt nie ohne Buckle und Bolotie sein Haus`. Ein Buckle ist eine große, meist sehr aufwendig angefertigte Gürtelschnalle. Sie gibt es in den verschiedensten Formen und Farben, von billig bis Sammlerwert. Das Buckle soll in eleganter Form den Unterkörper mit dem Oberkörper verbinden. Für viele Line Dancer ein Muß. Das Bolotie ist hingegen die elegante Krawatte des Tänzers. Meist tragen es die Männer, aber ab und zu greifen auch die Frauen auf diese Sammlerstücke zurück.
Und wem das alles noch nicht genug ist, der brauch sich nur einen alten Cowboyfilm ansehen und weiß, was er tragen kann. Leider wird das Outfit der Line Dancer von nicht Line Dancern oft als Faschingskostüm abgewertet. In Wirklichkeit wissen jedoch viele nicht, dass Hemden, Hüte, Stiefel etc. sehr kostspielig sind. Daher besitzen viele Tänzer nur weniges von alledem. Aber das muß man ja auch nicht. Schließlich steht das Tanzen hier an oberster Stelle . .
Nicht nur in Linie
Doch der Line Dance ist nicht nur ein Linien Tanz, wie der Name es sagt. Es gibt sogenannte Circle - Dances wie der Seminol Wind, Contra - Dances wie der Express, Mixer wie der Barn Dance und Couple - Dances wie der Cowboy Cha Cha.
Der Circle Dance wird Solo oder Paarweise in Kreisformation getanzt. Es wird im umgekehrten Uhrzeigersinn also links herum am mittleren Rand (slow lane) getanzt. Die Schrittfolge ist für jeden Tänzer fix vorgegeben, wobei man natürlich eigene Variationen, Drehungen, etc. einbauen kann.
Der Contra Dance wird zwar in Linie getanzt, jedoch werden hier zwei Reihen gebildet, bei denen sich die Tänzer gegenüberstehen. Die Tanzrichtung kann sowohl nach links, rechts, vorwärts oder rückwärts sein. Bei den überwiegenden Tänzen werden die Seiten beim Tanzen gewechselt, was erst den Reiz beim Contra Dance ausmacht. In anspruchsvolleren Contra Dancen wie dem Jungle Freak werden auch Formationen mit den Gegenüber- oder den Nachbartänzern getanzt.
Mixer sind einfache Tänze im großen Kreis, bei denen nach jedem Durchspiel (meist nach 32 Schritten) jeder einen neuen Partner bekommt. Im modernen Line Dance (aber auch im Square Dance) werden sie allenfalls noch zu Beginn eines Anfängerkurses getanzt.
Couple Dance heißt übersetzt Paartanz, jedoch sind die Line Dance Paartänze nicht mit den Standart Paartänzen wie Two Step u.ä. zu verwechseln. Hier gibt es eine festgelegte Schrittfolge, die wiederum gegen den Uhrzeigersinn getanzt wird. Der Mann und die Frau haben ihre eigenen Schrittfolgen, wobei diese in den meisten Paartänzen ähnlich oder sogar identisch sind. Der Mann führt, die Dame folgt ihm in die vielfältigen Figuren. Die im CWD typischen Tänze sind Shuffle, Polka und Schottish. Sie haben ihren Ursprung in den früheren Volkstänzen der Einwanderer.
Nicht zu verwechseln ist der Line Dance mit dem Square Dance. Square Dance gehört zu den paarweise getanzten geometrischen Gruppentänzen, bei denen eine Anzahl Tänzer mehr oder weniger verschlungene Figuren tanzen. Das Besondere am Square Dance ist, daß diese Figuren Namen tragen und mittels dieser Namen den Tänzern fortlaufend von einem Tanzleiter zugerufen werden. Im modernen oder Club-Style Square Dance hat der Tanzleiter (englisch: Caller) die Freiheit, jede beliebige Reihenfolge zu wählen, sofern die angesagte Figur von den Tänzern verstanden wird und in der gegebenen Aufstellung getanzt werden kann. Die Tänzer brauchen sich keine Abfolgen zu merken, müssen aber lernen, die Figuren nach Zuruf zu tanzen.